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Mittel- bis spätholozäne Biotopgrenzen, Siedlungslimits
und Verbindungskorridore im Inneren Kongobecken:
Archäologie und Paläoökologie

Bewilligung im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Entangled Africa: Intra-African connections between Rainforest and Mediterranean (ca. 6000 to 500 BP)" (SPP 2143)
Mittelgeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: 2019–2025
Leitung: Prof. Dr. Hans-Peter Wotzka / Dr. Christopher A. Kiahtipes (Co-PI)


Zusammenfassung

Wann und unter welchen Bedingungen begannen Nahrungsproduzenten erstmals auf breiter Front mit der Besiedlung der innertropischen Regenwälder? Ihr kulturelles Erbe und anhaltende Verflechtungen mit den Herkunftsräumen im weiteren tropischen Afrika prägten die Genese und spätere Intensivierungen überregionaler sozialer, technologischer und ökologischer Interdependenzen von der Früheisenzeit ab ca. 400 v. Chr. bis zur europäischen Kolonialzeit nach AD 1850.

Linguistische und genetische Studien an heutigen afrikanischen Bevölkerungen legen nahe, dass die äquatoriale Regenwaldzone von Teilgruppen einer größeren Ursprungsbevölkerung erstbesiedelt wurde, die frühe Bantusprachen mitbrachten und mit der Landwirtschaft vertraut waren. Bislang ist die Regenwald-Archäologie jedoch weit davon entfernt, auch nur die Hauptausbreitungswege, geschweige denn Details der Subsistenzsysteme und Mobilitätsmuster dieser Pioniersiedler zu erkennen. Nicht minder unzureichend sind die wenigen verfügbaren paläoökologischen Datensätze aus den tropischen Regenwäldern: Prozesse der Waldfragmentierung und -regeneration als Folge von Klimaschwankungen auf Millennium-Zeitskalen sind bisher ebenso schwer näher zu fassen wie Chronologie und Intensität vom Menschen verursachter Störungen der Waldvegetation im mittleren und späten Holozän.

Mit Blick auf Besiedlungs- und Ökogrenzen sollen zwei Grundfragen zu jenen Prozessen bearbeitet werden, durch die das Innere Kongobecken Zentralafrikas in kulturelle und ökologische Wandelsprozesse der weiteren afrikanischen Tropen verwickelt wurde: 1. Wann entstanden und wo lagen die Grenzen zwischen den Kulturen der ersten sesshaften und nahrungsproduzierenden Immigranten? 2. In welchem zeitlichen und kausalen Verhältnis zur menschlichen Besiedlungsgeschichte stehen die erkennbaren Prozesse des holozänen Vegetationswandels?

Bewilligt wurden Mittel für die Ausführung und Auswertung dreier jeweils achtwöchiger Geländekampagnen in der Demokratischen Republik Kongo. Zwei Abschnitte des Kongostroms, der eine zwischen Mbandaka und Kinshasa, der andere zwischen Mbandaka und der Itimbiri-Mündung, sollen im Rahmen archäologischer Surveys per motorisiertem Einbaum sowie durch kleinflächige Ausgrabungen und Pollenbohrungen erforscht werden. Damit sind zugleich geographische Lückenschlüsse angestrebt: zwischen bisherigen Untersuchungsgebieten in der Äquatorzone (DFG-Projekte Eggert und Wotzka, zuletzt DFG-Nr. 259660494) und dem unteren Kongo (verschiedene belgische Unternehmungen) einerseits und dem oberen Kongobogen andererseits (Projekt des Königlichen Museums für Zentralafrika, Tervuren, Belgien).

Neue Daten zur Kultur-, Vegetations- und Klimageschichte sollen die Bedingungen, Abläufe und Wege sowie die bis heute anhaltenden Konsequenzen jener Prozesse erhellen, die das Innere Kongobecken bei aller Besonderheit und scheinbaren Isolation seit Beginn der Eisenzeit mit seiner unbewaldeten Nachbarschaft verknüpft haben.